Donnerstag, 30. Oktober 2014
Spindel mit Kalksteinwirtel
Und hier nun die fertige Spindel aus dem Grab der Altthüringerin. Die ersten Spinnversuche mit dem dünnen Spindelstab ( 5mm) und dem schweren Kalksteinwirtel waren sehr erfolgreich.
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Mittwoch, 29. Oktober 2014
Die mysteriöse Kalksteinkugel
Nach langer Zeit nun endlich etwas Neues zu meiner Thüringerin :)
Der Fund
„Kugel,
weißkalkig, zum Teil mit Eisenrost bedeckt, in der Mittelachse durchlocht,
Achse 3 cm lang, oberer Lochdurchmesser 7mm, unterer 5 mm.“ (G.Eichhorn: Ein Merowingergrab in der Burgauer Kiesgrube, Fundbild ebd.)
Der Autor
des Fundberichts lässt offen, um was es sich bei dieser Kugel handelt: Ist es
ein Anhänger? Oder ein Spinnwirtel? Kugelförmige Anhänger gibt es in den
reichen altthüringischen Gräbern zu genüge. Meistens sind es Kugeln aus
Bergkristall oder anderen edlen Steinen, die ihren Platz am Gürtelgehänge
haben. Kugelförmige Spinnwirtel kommen vor, meistens sind sie jedoch aus
gebranntem Ton. Spinnwirtel aus Kalkstein in allen möglichen Formen hingegen
kommen durch die Jahrhunderte immer wieder vor. In altthüringischen Gräbern allerdings sind Kalksteinspinnwirtel selten. Ein weiteres Grab mit einer solchen
Kalksteinkugel stammt beispielsweise aus Staffelstein, Landkreis Lichtenfels. Bei
diesem Frauengrab wurde die Kugel in der, leider zerstörten, unteren
Körperhälfte gefunden. Auch hier findet sich in der Publikation die
Beschreibung Spinnwirtel/Anhänger.
Meine
Burgauer Altthüringerin wurde ansonsten frauentypisch bestattet: Schmuck, Schere,
Essmesser, Hackmesser, Feuerstahl, Webschwert – aber keinen Spinnwirtel. Ein
solcher Wirtel aus Glas oder Ton fehlt jedoch bei vollständigen Gräbern nur
sehr selten. Ich tendiere daher eher zu der Annahme, dass es sich um einen
Spinnwirtel handelt. Dass er als Anhänger in einem Gürtelgehänge getragen
wurde, ist damit nicht ausgeschlossen.
Meine Replik
Die
Lebensumwelt der Altthüringerin aus Burgau war voll von Kalk. Burgau liegt im
mittleren Saaletal, einer Landschaft, die gerade bei Jena geprägt ist durch Berge
aus Muschelkalk. Von Burgau aus blickt man noch heute auf die weißen Hänge des
Johannisbergs und der Kernberge. Was liegt also näher, als ein Ausflug auf die
sogenannte Saalehorizontale und etwas Kalkstein suchen...
Kalkstein
lässt sich genauso bearbeiten wie härterer Speckstein. Mit Raspeln ging es ans
Werk. Nach mehreren Stunden Bohrarbeit für das Loch, war die Ausarbeitung der
Kugel schnell erledigt. Beim Feinschliff zeigte sich allerdings, dass der
Kalkstein dann nicht mehr weiß, sondern gräulich wird.
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Dienstag, 5. August 2014
Sommermarkt Haithabu
Jetzt ist Haithabu auch schon fast einen Monat her, aber in einem Monat Arbeitstress bin ich nicht dazu gekommen, ein paar Fotos von dieser wunderschönen Museumsveranstaltung auf den Blog zu stellen. Das Copyrigth der Fotos liegt bei Asrun von http://vikinghandcraft.blogspot.de/. Auf ihrem Blog finden sich noch viel mehr gelungene Fotos der Veranstaltung.Ein Vorbeischauen lohnt sich.
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Montag, 30. Juni 2014
Eitopf
Es gibt neue Kochkeramik für den eigenen Hausstand! Diesmal ein Eitopf. Vorlage für diesen schönen Topf ist der Gefäßfund Hb 33/T1,1/W0,9/N146,32. Eitöpfe unterscheiden sich von Kugeltöpfen eigentlich in nichts - außer ihrer Form. Sie sind aus braunschwarzem Ton, mittel bis grob gemagert. Die Brennqualität ist auch nicht die beste. Gefunden wurden Eitöpfe im Haithabu-Bach vor allem in den älteren Schichten. Eitöpfe sind somit bisher nur für die frühe Besiedlungsphase belegt (vor 900) und wurden dann von den Kugeltöpfen abgelöst.(Vgl.: Hübener, W.: Die Keramik von Haithabu, Neumünster 1959. S. 21/ Tafel 1,8)
Ich freue mich auf den ersten Eintopf im Eitopf.
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Freitag, 27. Juni 2014
Die Kapuze aus Haithabu
In den Textilfunden aus der Siedlung und den Gräbern von
Haithabu wird das Fragment S3 als Kopfbedeckung beschrieben. (Hägg, I.: Textilfunde aus der
Siedlung und aus den Gräbern von Haithabu. Neumünster 1991. S.55.) Es handelt sich dabei um einen derzeit umstrittenen
„Fetzen“. Die Diskussion, ob Fragment S3 eine Kopfbedeckung oder eine Hose oder
etwas gänzlich anderes ist, möchte ich hier nicht weiter verfolgen. Sollte sich
in neuerer Zeit herausstellen, dass Fragment S3 doch keine Kopfbedeckung ist,
wird das Kleidungsstück ausgemustert. Ich möchte auch darauf hinweisen, dass ich dieses Schnittmuster nicht als eine Rekonstruktion ansehe, weil es zu viele nicht belegbare Eigenkreationen enthält. Es ist ein Schnittmuter der Haithabu-Kapuze, wo die gefunden Fragmente irgendmöglich untergebracht wurden.
Schnittmuster Haithabu-Kapuze
Der richtige Stoff
Das Fragment S3 war aus einem dunkelbraunen Wollstoff in
Gleichgratköper (2/2). Beim Nachnähen mit den im Fund angegebenen Maßen sollte
unbedingt ein dehnbarer Stoff in Köperbindung ausgewählt werden. Warum? Die
Kapuze ist sehr eng und ohne die Dehnbarkeit passt der Kopf nicht durch den
Engpass am Hals. Damit sich der Stoff in die richtige Richtung dehnt, muss der
Fadenverlauf beim Zuschneiden beachtet werden.
Die textilen Ergänzungen
Die Ergänzungen entstanden teilweise durch die spontane
Verlängerung vorhandener Linien. So ist zum Beispiel die Länge des Zipfels
entstanden. Die genaue Länge wird, wie es auch Frau Hägg im Fundbericht
schreibt, nie zu ermitteln sein. Für die vorderen zwei Dreiecke habe ich mir
die Skjoldehamn-Gugel (Norwegen, 11. Jahrhundert – leider samischer Kulturkreis)
zum Vorbild genommen, die sehr funktional und stoffsparend im Schnitt ist. Der Schnitt basiert hauptsächlich auf Rechtecken und Dreicken. Die
Haithabu-Kapuze ist rundherum abgerissen, sodass sie durchaus länger gewesen
sein könnte. Die noch vorhandenen Maße, lassen die Kapuze bis knapp über die Schultern fallen.
Das Teilstück c
Eigentlich ist das Teilstück c ziemlich überflüssig. Im
Fundbericht wird sogar vermutet, dass es sich um ein (nachträglich?)
eingesetztes Keilstück zur Erweiterung der Kapuze handelte oder einen Flicken.
Begründet wird diese Hypothese durch ein anderes Nähgarn bei den vorhandenen
Nähten (pflanzliches Nähgarn?). In meiner Umsetzung der Kapuze liegt das
Teilstück c ungefähr bei den Schulterblättern. Trägt man etwas über der
Schulter, wird diese Stelle immer und immer wieder gescheuert.
Garn und Naht
Die wenigen erhaltenen Nähte zeigen Reste von
Überwendstichen. Als Garn wurden sowohl Wollzwirne als auch vermutlich
pflanzliche Garne verwendet. Auch hier die Vermutung, dass die Kapuze mehrmals
ausgebessert wurde. Auf eine lange Tragezeit weißt nach Frau Hägg der stark verschlissene Stoff am Scheitel hin.
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Sonntag, 22. Juni 2014
Kugelkanne
Die Kugelkannen aus Haithabu
Die Form der Kugelkannen taucht in Haithabu im 9. Jahrhundert auf, der Ursprung dieser Gefäßform ist unegklärt. Die Kugelkanne wird nach Herrn Baume als "echter Kugeltopf mit einer dicht unter dem Hals liegenden, zur Mündung hin spitz zulaufenden Tülle und einem ihr gegenüberliegenden, den Rand mit der oberen 'Schulter' verbindenden breiten Henkel" definiert. (Baume: In: Hübener, W.: Die Keramik von Haithabu, S.23. Neumünster 1959)
Die Fundlage
Der Henkel geht aus dem Rand hervor und hat eine Breite von 2,5cm bis 4cm. In der Mitte kann er dünner sein als am Ansatz. Die Dicke beträgt durchschnittlich um die 2,5cm. Auf dem Henkelrücken befindet sich eine mehr oder weniger stark ausgeprägte, senkrechte Furche.
Die Tülle ist am Ansatz um die 5cm breit, die Mündung beträgt ca. 2,5cm. Die Ausgusslochsweite liegt zwischem 1cm und 2,5cm. Die Tülle ist leicht schräg nach oben gerichtet und wird horizontal abgeschnitten.
![]() |
| aus: Hübener, W.: Die Keramik aus Haithabu. Anhang, Tafel 2. |
Meine Kugelkanne
Kugelkannen sind eng verwandt mit den Kugeltöpfen. Da diese keiner bestimmten Größe unterliegen, habe ich die Größe meiner Kugelkanne meinen Bedürfnissen angepasst. Daraufhin abgestimmt wurde die Henkelbreite und die Tülle. Die Kugelkanne hat eine Volumen von 1,2 Litern.
Anmerkung
Der Kannenrand entspricht noch nicht ganz den Rändern aus der frühen Besiedlungsphase. Die Tülle ist außerdem etwas zu lang. Nach Fund müsste sie etwas gedrungener sein.
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Montag, 16. Juni 2014
Spindel voll
Vor einigen Tagen war meine Handspindel voll. Ich möchte das Garn als Schussfaden für mein Gewebe benutzen, sodass ich mir ein Verzwirnen spare. Trotzdem benötige ich einen Arbeitsgang, der das Garn daran hindert, mit sich selbst zu verzwirnen. Deswegen habe ich das Wollgarn auf ein Brett gewickelt und dieses in ca. 60 °C warmes Wasser gelegt und dort belassen, bis das Wasser fast abgekühlt war. Das gewünschte Ergebnis trat teilweise ein. Mein stark versponnener Anfangsfaden verzwirnt sich auch weiterhin von selbst - allerdings nicht mehr so stark wie vorher. Die zweite, feiner versponnene Hälfte zeigt das gewünschte Ergebnis: Keine eigenständige Verzwirnung.
Mit 100 g Rohwolle, kann man sich ein beachtliches Wollknäul erspinnen. Ich bin begeistert.
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| stark versponner Anfangsfaden (links) - feiner versponnener Faden (rechts) |
Mit 100 g Rohwolle, kann man sich ein beachtliches Wollknäul erspinnen. Ich bin begeistert.
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